Feuer und Wein

Versteinerte Lavaströme und erloschene Minikrater geben am Etna eine Ahnung über das gewaltige Spiel der Natur in zurückliegenden Zeiten. Inmitten dieser einmaligen Landschaft dann Inseln der Weinkultur. Uralte Reben. Knorrige Gebilde, die sich äußerlich perfekt an diese bizarre Oberflächenformen angepasst haben und das Gefühl vermitteln, dass sie auf ewig mit diesem Stück Erde verbunden sind. Reben, die das Feuer des Vulkans in sich tragen und diese Energie in eigenständige Weine transformieren. Wer als Winzer diesen Prozess begleiten will, muss den Etna leben und sich selbst als untrennbaren Bestandteil des Vulkans begreifen.

Einer der es wissen muss ist Salvo Foti. Er gehört zu den Protagonisten des modernen Etna: „Es braucht Zeit, sich diesem Berg, den man Etna nennt, zu nähern und sein komplexes Wesen zu begreifen. Es ist nicht nur ein Vulkan: er ist ein Werk der kreativen Fantasie. Es ist der Ort, an dem sich Feuer und Eis, Hitze und Kälte mit dem Meer vermischen. Er ist ein Konzentrat von Widersprüchen. Diese werden hier zur Energie, die Menschen, Pflanzen und Tiere in sich aufnehmen und in ihrer Vitalität widerspiegeln.“ Das Magma fließt wieder. Salvo Foti hat mit einigen anderen Winzern das Feuer des Etna wieder entfacht und den Berg aus einer Phase der Lethargie zurückgeholt.

Während einer zweitägigen Tour haben wir uns davon überzeugen können, haben mit Winzern wie Guiseppe Russo, Salvino Benanti, Frank Cornelissen, Giuseppe Parlavecchio (Pietradolce) und eben Salvo Foti über ihre Sichtweisen und Philosophien und deren Umsetzung im Glas diskutiert. Wir probierten Weine, die eine tiefe innere Ruhe ausstrahlen und doch vibrierend sind. Weine mit Ecken und Kanten und doch voller Harmonie und Schönheit. Weine, die sich jedem Vergleich entziehen – wie viel man auch Authentizität vergleichen? Wir haben die Energie des Vulkans gespürt und sind in den Tiefen seiner magischen Welt angekommen: Feuer und Wein.

Ab sofort sind bei uns die Weine von Salvo Foti und Pietradolce erhältlich.

Open your mind!

Immer wieder ein heisses Thema ist das Segment der Orange Wines. Da ein Teil dieser Weine im Spektrum der Natural wines zu finden ist (“Naturweine” – Weine mit minimaler technologischer Intervention) wird schnell Ideologie mit Winemaking verwechselt und Orange Wines werden mit dem Stempel der Esoterik versehen. Eine unsachliche geführte Diskussion des Themas ist dann meistens nicht weit.

Dabei ist es zunächst nur eine technologische Geschichte. Im Gegensatz zur üblichen Herstellung von Weißwein, wo der Traubenmost relativ schnell abgepresst und von den Schalen getrennt wird, bleiben bei der Vinifikation von Orange Wines die Schalen in Kontakt mit dem Most. Da auch die meisten weißen Rebsorten in den Beerenschalen Farbpigmente enthalten, ergibt sich bei einer entsprechenden Extraktion die leicht dunklere orange Farbe dieser Weine. Zusätzlich werden natürlich auch Aromastoffe und phenolische Komponenten (Gerbstoffe) extrahiert.

Das Endergebnis sind Weine, die in ihrer Struktur eher Rotweinen ähneln und ein eher balsamisch-würziges statt primärfruchtiges Aromaprofil aufweisen. Wenn bei der Vinifikation und dem Ausbau der Weine kleinere Holzfässer oder Tonamphoren verwendet werden, können sich durch den erhöhten Sauerstoffkontakt und bei weitestgehenden Verzicht auf Schwefeldioxid zusätzlich oxidative Nuancen ergeben. Der Verzicht auf Schwefel kann dann durchaus die Schnittstelle zu den eingangs erwähnten “Naturweinen” sein, aber muss es nicht: im Segment der Orange Wines gibt es auch Weine mit einem eher konventionellen Ansatz im Weinberg und Keller.

Unbestritten ist, das Orange Wines eine spannende, manchmal experimentielle oder eigenwillige Bereicherung unserer Weinwelt sind. Wie in jedem Segment gibt es faszinierende und langweilige, saubere und fehlerhafte Weine.  Probierenswert sind Orange Wines in jedem Fall und garantieren eine Erweiterung des eigenen Weinhorizonts. Open your mind!

Einige Empfehlungen zum Einstieg in die Kategorie der Orange Wines:

La Soula, La Maceration du Soula Nr. 13, Roussillon / Stephane Tissot, Savagnin Amphore 2012, Arbois / Weingut Fritz, Roter Veltliner Gondwana 2013, Wagram / Bassermann-Jordan, Pithium 2012, Pfalz / Roxanich, Antica 2009, Istrien

 

Erster Master of Wine aus Sachsen: Janek Schumann erhält begehrten Titel

Das in London ansässige Institute of Masters of Wine gab gestern die Namen aller in diesem Jahr erfolgreichen Absolventen der weltweit prestigeträchtigsten Weinausbildung bekannt.  Den Titel „Master of Wine (MW)“ trägt ab sofort auch der aus Sachsen stammende Janek Schumann. Bis dato durften sich nur 322 Weinprofis weltweit, fünf davon aus Deutschland, mit der Auszeichnung schmücken.

Weiterführende Informationen zum Institute of Masters of Wine und zur gestrigen Pressemitteilung gibt es hier.

Carignan at its best

Vom Schnuddel-Image hat sich Carignan in den letzten Jahren etwas befreien können, aber nach wie vor zählt sie mit wenigen Ausnahmen zu den Underperformern in der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei zeigen eine stetig zunehmende Anzahl an Weinen, welches Potential diese Rebsorte des Südens hat. Wer noch einen Beweis sucht, sollte den Lo Vièlh Carignan 2012 vom Clos du Gravillas aus St-Jean de Minervois probieren. Organische Bewirtschaftung der Weinberge, über 100 Jahre alte Reben auf extrem steinigen Böden, reduzierte Erträge (rd. 20hl/ ha) und low interventation winemaking ergeben einen Wein, der fast burgundische Züge trägt. Animierende Nase mit Noten von Sauerkirsche und Berberitzen sowie floralen Nuancen, im Mund perfekt balanciert mit feinkörnigen Tannin und viel Energie und Frische. Macht bereits jetzt unheimlich Spaß, aber besitzt durchaus das Potential für einige Jahre Flaschenreife. Chapeau Nicole & John!

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Bergstadtfest in Freiberg

Auch in diesem Jahr sind wir wieder mit dabei – vom 25. – 28.06.15 findet Ihr uns im Weindorf auf dem Schlossplatz. Mit von der Partie ist Falk Heinrich vom Restaurant Villa Esche in Chemnitz, der die kulinarische Begleitung unserer Weine übernehmen wird. Schönes Wetter haben wir auch schon gebucht, so dass langen Sommernächten mit gutem Wein, Essen und Unterhaltung nichts mehr im Wege steht. Salut!

Nebbiolo aus Sachsen

Sächsischer Barolo? Auch wenn er sich so nicht offiziell nennen darf – unter der Hand wird dieser Wein aus der Schwarz´schen Manufaktur so bezeichnet. Sicherlich einer der abgefahrensten Weine, die es derzeit in Sachsen gibt. Ein Wein, der Spannung, Struktur und Finesse besitzt – wie auch die anderen Weine aus der Hand von Grit und Martin Schwarz. Und sehr rar: nur 100 Flaschen gibt es vom Erstlingswein der Jahrgänge 2011 und 2012. Klar kommt schnell die Frage auf: Wer braucht das, ist es ist sinnvoll Nebbiolo in Sachsen anzubauen, wo doch heute jeder von regionaler Identität redet? Nun, man muss kaum fürchten, dass es jetzt ein Nebbiolo-Invasion in Meißen & Co geben zu Lasten alteingesessener Rebsorten geben wird. Auf der anderen Seite ist Sachsen mit seinem großem Rebsorten-Mix im Verhältnis zu seiner kleinen Fläche sowieso Multi-Kulti. Und wir zeigen damit, das wir Sachsen doch ein weltoffenes Volk sind. Auch wenn Montags ein kleiner Teil die Welt vom Gegenteil überzeugen will…..

Martin Schwarz zum After Work Tasting am letzten Freitag in unserer Weinhandlung in Freiberg

Martin Schwarz zum After Work Tasting am letzten Freitag in unserer Weinhandlung in Freiberg

 

ÖFFNUNGSZEITEN WEIHNACHTEN 2014 – NEUJAHR 2015

22.12.14     10.00 – 13.00 Uhr       15.00 – 18.00 Uhr

23.12.14     10.00 – 13.00 Uhr       15.00 – 18.00 Uhr

24.12.14     10.00 – 13.00 Uhr

27.12.14     10.00 – 13.00 Uhr

30.12.14     10.00 – 13.00 Uhr       15.00 – 18.00 Uhr

31.12.14     10.00 – 13.00 Uhr

02.01.15     15.00 – 19.00 Uhr

03.01.15     10.00 – 13.00 Uhr

Cambrico – Weine aus dem Märchenland

In dieser Woche trafen die ersten Weine von Cambrico ein – unsere spannende Neuentdeckung während des Herbsttrips nach Portugal und Spanien. Auf dem Programm standen kürzlich neu belebte Gebiete wie Arribes, Vino de la Tierra de Zamora und die Sierra de Salamanca. In letzterer Mini-DOP (nur rd. 60 ha) befindet sich Cambrico unter der Führung von Fernando Maillo Ferran. Fernando belebte die Weinbauregion im märchenhaften Naturpark der Sierra de Francia (der Name stammt von französischen Emmigranten im 11. Jahrhundert) quasi im Alleingang und bewirtschaftet fast die Hälfte der gesamten DOP. Die bis zu 800 m hohen Weinberge sind zum Teil über 100 Jahre alt – der Star der Region ist Rufete, ergänzt von lokalen Klonen von Tempranillo und Garnacha (Calabrés). Für Fernando ist es selbstverständlich, das in diesem weitgehend intakten Ökosystem die Weinberge organisch bewirtschaftet werden. Die Weine von Cambrico sind wohltuend anders im Vergleich zu vielen anderen spanischen Weinen. Statt Power und am oberen Limit reifer Frucht stehen Frische und Finesse im Vordergrund, verbunden mit dem nötigen Gerüst für eine mehrjährige Flaschenreife. The new wave of Spain at its best!!!

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Faszinierender Albariño

Albariño gehört sicherlich zu den interessantesten autochthonen weißen Rebsorten Spaniens und hat in der jüngsten Vergangenheit für viel Furore gesorgt. Um die Herkunft von Albariño ranken sich verschiedene Theorien – eine davon ist, das die Rebsorte von Zisterziensermönchen im 12 . oder 13. Jahrhundert in Galizien eingeführt wurde. Unstrittig ist das Potential von Albariño – stilistisch schwanken die Weine je nach Herkunft und Winemaking zwischen mineralischen, schlanken und säurebetonten Weinen und Weinen mit mehr Fülle, Körper und weicher Textur. Mit José Antonio López haben wir einen der Altmeister des Albariño neu in unserem Sortiment – er prägte wesentlich die Qualitätsrevolution in Rias Baixas in der letzten Dekade. Das Flaggschiff von López ist der Trico, der von organisch bewirtschaften Weinbergen stammt und ein Jahr auf der Hefe ausgebaut wurde. Das Ergebnis ist ein komplexer und tiefgründiger Wein mit dem Potential für einige Jahre Flaschenreife. Wer gehaltvolle Rieslinge mag, sollte diesen Wein mal als Alternative probieren – Salud!

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Domaine Mouton aus Givry

Verstärkt haben wir unser Burgund Sortiment mit einem kleinen Juwel aus der Côte Chalonnaise. Seit vier Generationen betreibt die Familie Mouton in Givry Weinbau – seit 2002 wird das Weingut von Laurent Mouton geführt. Während der Verkostung zu den Grand Jours de Bourgogne im März fielen mir die Weine sofort auf – sinnliche und elegante Weine mit ausdrucksvoller Frucht und moderatem Holzeinsatz. Und dazu bezahlbar. Die Weinberge werden nachhaltig bewirtschaftet – ein weiteres wichtiges Kriterium für meine Entscheidung die Weine von Laurent Mouton in unser Sortiment aufzunehmen. Endlich sind die ersten Weine eingetroffen und stehen zur Verkostung bereit. Neben jeweils einem Weiß- und Rotwein aus der Dorflage Givry sind das Herzstück vier verschiedene Premier Cru Lagen, die alle über ein exzellentes Reifepotential verfügen. Insbesondere freue ich mich, noch mit dem 2012er Jahrgang zu starten, der für mich zu den schönsten Jahrgängen in Burgund in der letzten Dekade gehört (siehe dazu auch Burgund 2012 auf www.janek-schumann.de).

Domaine Mouton_Givry